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AOK HealthNavigator bietet mehrsprachige Kommunikationshilfe

Die AOK Nordost hat die Smartphone-App entwickeln lassen, um die Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bei ihrem gesetzlichen Auftrag der medizinischen Versorgung geflüchteter Menschen noch besser zu unterstützen.

Sprachbarrieren überwinden: Unterstützung für Ärzte und Flüchtlinge

Berlin, 13.07.2016. Sprachbarrieren erschweren die medizinische Versorgung von geflüchteten Menschen und Asylbewerbern. Mit der viersprachigen Kommunikationshilfe „AOK HealthNavigator“ in Persisch, Arabisch, Englisch und Deutsch kann dieses Hindernis leichter überwunden werden. Die AOK Nordost hat die Smartphone-App entwickeln lassen, um die Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bei ihrem gesetzlichen Auftrag der medizinischen Versorgung geflüchteter Menschen noch besser zu unterstützen. Das Kommunikationstool soll aber auch für Ärzte in der Praxis oder Klinik eine praktische Hilfe bieten.

„Ein möglichst niedrigschwelliger Zugang zur Gesundheitsversorgung ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe – gerade auch bei der Integration von Flüchtlingen. Der AOK HealthNavigator kann bei dieser Aufgabe weiterhelfen“, sagt Frank Michalak, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordost. Mithilfe des AOK HealthNavi­gators können allgemeinmedizinische Fragen bei der Behandlung von Patienten mit keinen oder nur geringen Deutschkenntnissen oft auch ohne Dolmetscher geklärt werden. „Das erleichtert nicht nur die Behandlung, sondern spart den Ärzten Zeit für die Patientenversorgung“, so Michalak.

„Die größte Herausforderung bei der Behandlung von Flüchtlingen im Praxisalltag ist die Sprachbarriere“, bestätigt Dr. med. Pia Skarabis-Querfeld von „Medizin hilft Flücht­lingen“ – einem Netzwerk aus Medizinern und Pflegekräften, die sich in der Versorgung von Flüchtlingen in Berlin engagieren. „Der AOK HealthNavigator kann in den Praxen eine sehr gute Hilfe sein, um diese Hürde zu überwinden.“

Die Nutzung der App, die im ersten Schritt vor allem für das bei Flüchtlingen weit verbreitete Smartphone-Betriebssystem Android verfügbar ist, gestaltet sich einfach: Einmal kostenfrei heruntergeladen, funktioniert das Programm auch ohne Internetanbindung. Grundlegende Abläufe, Fragen und Hinweise für einen Arztbesuch werden den Flüchtlingen übersetzt und durch Piktogramme ergänzt.

Entwickelt wurde die App von Curamatik, einem ausgegründeten Start-Up der Technischen Universität Berlin. Der Datenschutz ist gewährleistet, da die Anwendung komplett offline funktioniert. Inhaltlich und fachlich wurde Curamatik bei der Konzeption des Programms von „Medizin hilft Flüchtlingen“ beraten, einem Projekt des Vereins „Medizin hilft e.V.“.

Neben einem allgemeinen Informationsteil zum deutschen Gesundheitssystem ist das Programm inhaltlich in drei Bereiche aufgeteilt: vor, während und nach der Behandlung. Vor der Behandlung kann ein Anamnese-Fragebogen ausgefüllt werden. Während der Behandlung unterstützt die App den Arzt bei der Kommunikation mit dem Patienten. So kann der Arzt mit ihrer Hilfe etwa einzelne Behandlungsschritte wie „Ich werde Ihnen nun Blut abnehmen“ schriftlich übersetzen. Auch nach dem Arztgespräch können häufig verwendete Hinweise und gängige Therapieempfehlungen mit der App in der jeweiligen Sprache angezeigt werden, etwa „Halten Sie drei Tage Bettruhe“ oder Vorgaben für die Medikamenteneinnahme.

Der AOK HealthNavi­gator deckt einen Großteil von Erkrankungen im Bereich der Allgemeinmedizin ab und fokussiert sich auf häufig auftretende Symptome wie Erkältungsbeschwerden oder Schmerzen bzw. Krankheiten wie Masern oder Grippe.

„Die Kommunikations-App versteht sich als pragmatisches Hilfsmittel in der Arztpraxis, wenn kein Sprachmittler zur Verfügung steht“, sagt Frank Michalak. Im Zweifelsfall oder bei komplizierteren Untersuchungen, etwa bei Spezialisten seien aber auch weiter die Dienste von entsprechend qualifizierten Dolmetschern notwendig.

Der „AOK HealthNavigator“ steht ab sofort für Android-Smartphones zum Down­load im App-Store (Google Play) bereit. Eine iOS-Version folgt in Kürze.

Interview mit Frau Dr. med. Pia Skarabis-Querfeld

Frau Dr. med. Pia Skarabis-Querfeld von der Initiative „Medizin hilft Flüchtlingen“ zur neuen Kommunikations-App „AOK HealthNavigator“:  

„Die App ist praktisch und kann eine sehr gute Hilfe sein“


Frau Dr. Skarabis-Querfeld, Sie haben als Ärztin die Initiative „Medizin hilft Flüchtlingen“ mitbegründet, die seit 2014 in Berlin in der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen arbeitet und das Ziel hat, die Integration von Flüchtlingen ins Gesundheitssystem zu unterstützen. Zwar gibt es mittlerweile die elektronische Gesundheitskarte, es bleiben aber Probleme, oder?

Dr. med. Skarabis-Querfeld: Dass es in Berlin jetzt die elektronische Gesundheitskarte gibt und Flüchtlinge somit einen vereinfachten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, ist großartig. Es bleibt aber das Problem der Informationsvermittlung, denn die meisten Flüchtlinge verstehen das deutsche System aus Haus- und Fachärzten und Überweisungen nicht ohne weiteres. Die größte Herausforderung ist und bleibt aber die Sprachbarriere.

 

Wie wird diese in der Praxis bisher überwunden?

Es ist schwer, ohne Sprachmittler oder Dolmetscher zu arbeiten, wenn wir Flüchtlinge behandeln. Wir müssen auch kulturelle Hintergründe beachten: Wenn wir eine Frau als Patientin untersuchen, ist es für viele ein Tabu, dabei einen männlichen Dolmetscher mit im Raum zu haben. Wir arbeiten deshalb auch mit Dolmetschern per Telefon oder versuchen uns mit „Händen und Füßen“ zu verständigen. Unser Verein „Medizin hilft e.V.“ stellt für Ärzte im Internet (www.medizin-hilft-fluechtlingen.de) deshalb auch mehrsprachiges Informationsmaterial bereit.

 

Wie hilft der „AOK HealthNavigator“, dessen Entwickler Sie beraten haben?

Die App „AOK HealthNavigator“ ist viel praktischer als ein Informationsblatt, das Sie sich erst ausdrucken müssen. Flüchtlinge haben sie buchstäblich in der Hosentasche dabei. In den Praxen kann sie eine sehr gute Hilfe sein, um die Sprachhürden zu überwinden. Denn für uns Ärzte bedeutet es einen großen Aufwand, sich verständlich zu machen. Stellen Sie sich vor, Sie wollen einer Mutter sagen, dass ihr Kind das fiebersenkende Mittel dreimal am Tag nehmen soll. Das muss korrekt übersetzt werden, was mithilfe der App auf einfachem Weg möglich ist.


Hinter der App steht eine Krankenkasse: Finden Sie das nicht ungewöhnlich?

Nein, ich halte es für gesundheitspolitisch vernünftig, wenn sich eine Krankenkasse bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe einsetzt. Und neben den Menschen, die zu uns kommen, hilft deren gute Versorgung nicht zuletzt auch dem Gesundheitssystem, wenn die Menschen frühzeitig zum Arzt gehen, sich etwa impfen lassen und dadurch die Verbreitung oder die Chronifizierung schwerwiegender Erkrankungen vermieden werden kann.

Pressekontakt

AOK Nordost - Die Gesundheitskasse
Pressesprecherin Gabriele Rähse
Telefon: 0800 265 080 - 22202
presse@nordost.aok.de